Und hopp, Mandryka.

Nikita Mandryka ist tot. In Deutschland als dritte Reihe wahrgenommen, war er wie Yvan Delporte, den hierzulande auch keine Sau kennt, seit den Gründerjahren in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts (Great Scott, klingt das lange her) eine Ikone der französisch-belgischen Comicszene. Mandryka war er der einzige zeichnende Zeitzeuge und Weggefährte, den man letztes Jahr noch um einen Nachruf auf Claire Bretécher anfragen konnte oder der ein launiges Vorwort für ein Buch über den studentischen Autorenaufstand bei Pilote Ende der 1960er-Jahre schrieb.

Sympathisches Mandryka-Zitat:

„Mit Papier, Bleistift und Pinsel macht man sein eigenes Kino.“

Das Zitat unterschlägt in der Übersetzung die Doppeldeutigkeit des französchen „faire du cinéma“, was auch heißen kann: „die Welle machen“.

Bekannteste Mandryka-Anekdote: Asterix-Texter René Goscinny (der seinerseits 1977 letal beim Kardio-Checkup vom Ergometer fiel) brachte ihn dazu, das Comic-Magazin Pilote zu verlassen: Goscinny weigerte sich, einen Comic zu veröffentlichen, in dem Mandrykas Superheld „Maskierte Gurke“ zehn Seiten lang Steinen in einem japanischen Garten beim Wachsen zusieht, worauf Mandryka mit den Kumpels Claire Bretécher („Die Frustrierten“) und Marcel Gotlib („Peter Pervers“) mit L’Écho des Savanes ein eigenes Comicmagazin gründete.

Nikita Mandryka, der Herr der Gurke, starb achtzigjährig in der Nacht vom 12. Auf den 13. Juni 2021 in seinem Haus in Genf.

Foto: Wikimedia/Rama