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Die Woche mit Ivy (49/22)

Die Woche mit Ivy brachte letzte Woche wegen zahlreicher Brotjobs keine neuen Strips – es gibt immer noch nicht genug Abonnenten, um mich als Comiczeichner ohne Verlag und Content Syndication von meinem Strip leben zu lassen. Ihr könnt das natürlich gerne ändern

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Schön für die Comicwelt: Das Institut Français hat gestern die Comiczeichnerin und Cartoonistin Catherine Meurisse in die Académie des Beaux Arts aufgenommen. Félicitations !

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2. Dezember 2022|

Die Woche mit Ivy (48/22)

Der sehr lustige Comiczeichner Dan Piraro schreibt auf seiner Website bizarro.com jede Woche zu den Strips der vergangenen Tage auch ein paar Worte. Diese Gedanken landen in seinem Blog. Ich liebe die Idee, auch für IVY’S BAR! Also. Was gab es letzte Woche? Nach längerer Pause wieder neue Strips!

Essen, Trinken und die Unendlichkeit des Universums machen uns zu dick, besoffen und verzweifelt. Trost bringt dieser Strip, der mir morgens beim Zähneputzen einfiel. A.L.F., die einzige lustige Puppe, die kein Muppet ist. Warum haben sie ihn eigentlich zurück nach Melmac verfrachtet? Es muss eine Verschwörung der Katzen sein.

Ich kann mich nie für etwas entscheiden. Das ist lästig, steht man, so veranlagt, doch so letztlich oft mit leeren Händen da, ob sich das nun aufs Essen und Trinken oder eine Weltkarriere als Herrscher des Universums bezieht. Eine spontane, unentschlossene, aber unwiderstehlich charmante Antwort kann die Lösung sein.

Immer mal wieder fällt mir was ein, während ich durch irgendeine Social-Media-Timeline schliddere. In diesem Fall stolperte ich über

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Ich bekam keine Antwort und musste alles selber trinken.

Die meisten Menschen, die hinter der Theke arbeiten, sind bewundernswert als pragmatische Akkordarbeiter, die kaum Zeit für pathetische Rückschau haben. Entsprechend ist die romantisch-verklärte Barfrau ein metaphysisches Konstrukt. Wenn sie doch existiert, dann abseits der Partymeilen, wo sie während ihres Lebens unzählige Kisten Weinbrand und noch mehr Lebern verbraucht, bevor sie mit Ende dreißig letal vom Hocker fällt.

Der hier war schon ein Klassiker, bevor er mir beim Zähneputzen einfiel. Vor allem fand ich, dass meine Protagonisten nach einer Woche Comics in später Nacht ein Katerfrühstück verdient hatten. Außerdem finde ich, dass die beiden mit klassischen RayBans einfach sehr cool aussehen.

Das war die Woche in IVY’S BAR. Von Dan Piraro erfahre ich übrigens im Blogeintrag dieser Woche, dass man den Namen des Vaters der “Peanuts”, Charles Schulz, nicht “Schultz” ausspricht, sondern “Schuls”. Wobei seine Freunde ihn nur “Sparky” nannten. Sparky wäre letzte Woche hundert geworden. Herzliche Glückwünsche in den Peanuts-Himmel, wo er wahrscheinlich gerade mit Snoopy herumtollt.

Habt eine schöne Woche!

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28. November 2022|

René Goscinny – Beruf: Humorist

René Goscinny – der Erfinder von Asterix und dem kleinen Nick. Für Frankophilen ist hier ein Buch, das perfekt kuratiert ist – dank Goscinny-Tochter Anne und Guy Vidal, dem Freund und Nachfolger Goscinnys beim legendären Comicmagazin Pilote. Dabei ist es opulent bebildert, oft mit der Faksimile-Reproduktion ganzer Comicseiten. Hier allerdings ist das Format ein großer Wermutstropfen: Indem die Ausgabe kleiner ist, als ein DIN-A4-Blatt (etwa halb so groß, wie ein sechzehn-Zoll-Laptop-Monitor), benötigt man auch mit guten Augen eine Lupe, um die Arbeitsbeispiele voll zu würdigen.

Ich frage mich, warum der Dargaud-Verlag bei der Biografie seines Goldesels so geizt, während er dem (von Goscinny und auch von Guy Vidal betexteten) Zeichner Morris, einen doppelt so großen Biografieband widmete. Beim Mitbewerber Dupuis bekam übrigens selbst der Spirou-Chefredakteur Yvan Delporte ein Coffee Table Book spendiert, das außerdem fast doppelt so groß war wie die Morris-Hommage. Ich hab ein wenig den Verdacht, dass hier in letzter Sekunde ein kleineres Format gedruckt wurde, als geplant – denn selbst in Frankreich haben es Comics und damit ihre Autoren, Zeichner und Verlage, immer schwerer, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten.

Das Buch gibt’s bei Amazon

30. September 2022|

F. K. Waechter

Gerade war der 17. Todestag des Cartoonisten und Autoren F.K. Waechter. Auf seinem Banner stand „Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein.“

F.K. Waechter mußte sich nicht mehr geben, wie die Cartoonabteilung von Comedydeutschland die gezeichnete Pointe auf den gezeichneten Witz reduziert. Dazu Waechter im Gespräch mit Roger Willemsen: „Die nach mir erfolgreich waren, hatten viel Ähnlichkeit mit denen, die vor mir komisch waren, und von denen ich mich abgesetzt hatte“.

Den ersten Zeichenauftrag, notiert Autor und Journalist Roger Willemsen, bekam Waechter von einem pubertierenden Klassenkameraden in der Schule. Es war eine Wichsvorlage. Waechter verließ die Schule vor dem Abi und holte seine Ideen fortan meist aus Enttäuschungen und Verletzungen.

Roger Willemsen notiert weiter: „Die Peinlichen, die Errötenden, die mit den klaren Absichten und dem zarten Gewissen bevölkern sein Werk.“

In den bekloppten 1960er-Jahren waren Rausch und Aufklärung Inspiration. Waechter arbeitete für die Zeitschrift „twen“, die das, was Magazine ausmachte, grafisch und inhaltlich revolutionierte. Er war von Anfang an Chefgrafiker von „pardon“, dem in besten Zeiten unerreichten Vorläufer der Satirezeitschrift „Titanic“. Roger Willemsen zitiert Waechter mit den Worten: „Zu jener Zeit standen Komik und Aufklärung in einer Allianz. Jetzt ist nichts weniger komisch als Aufklärung.“

Weiter: Wow! Zeichnerlegende Tomi Ungerer äußerte sich zu Waechter! Man muss wissen: Ungerer war so sehr mit seinem eigenen Werk beschäftigt, dass ihn andere Künstlerkollegen zeitlebens kaum zu interessierten schienen. Zu Waechter allerdings äußerte er sich: „Mit Wort und Linie scharf und sanft, war und bleibt er ein Klassiker des deutschen Humors.“

Nicht wirklich erstaunlich. Waechter und Ungerer arbeiteten mit Kindern und für Kinder. Und gingen hinter ihrem Werk vor dem Publikum in Deckung, in Sicherheit.

Auf die jetzt-Zeit übertragen: Weder Waechter noch Ungerer hätten heute Comedy-Tourneen gemacht, beide hätten im Leben keine Autoren für sich arbeiten lassen. F.K. Waechter: „Ich habe allmählich keine Schwierigkeiten damit, mich als Künstler zu bezeichnen.“

„Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“ titelte Waechter selbst und auf makabre Weise behielt er, was sein Werk angeht, leider, wie ich finde, Recht: Die meisten von Waechters zeichnerischen Werken sind schon heute, keine zwanzig Jahre nach seinem Tod, nur noch antiquarisch zu kaufen.

Ich sage: Kauft Waechter. Er ist tot. Sein Werk ist lebendiger als das mancher Lebenden.

Sekundärliteratur

www.fkwaechter.de

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16. September 2022|

Rue d’Eupatoria

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Jedes Mal, wenn wir im Pariser Appartement waren, war der Blick über den Place Maurice Chevalier ein Highlight.

Wir dachten sofort an die Zeichnungen von Sempé, als wir in der Rue d’Eupatoria aus dem Fenster sahen: Filigranes Geäst winterkahler Bäume, von oben strichdünn wirkende Menschen auf ihren täglichen Wegen. Während wir aus dem Fenster schauten, servierte der Jazzsender TSF im Hintergrund Duke Ellington und Django Reinhardt. Mehr Paris ging nicht.

In der Boulangerie gegenüber gab es Rosinenschnecken mit giftgrüner Pistazienfüllung unter einer mehr als großzügigen Portion Zuckerguss.

Ganz hinten in der Rue de Ménilmontant fuhr der Bus Richtung Bahnhof Montparnasse und nach einem Viertelstündchen zu Fuß war man am Friedhof Père Lachaise, wo wir Michel Petrucciani und Frédéric Chopin beim Improvisieren zuhörten während nebenan Pierre Desproges ein giftige Worte über den Weg warf und Alain Bashung ein paar Liedzeilen durchs Gebüsch nuschelte.

Jedes Mal, wenn etwas ganz besonders ist, pflücke ich ein Blümchen zur Erinnerung. Und ich meine nicht die sogenannten besonderen Momente, die normalerweise dokumentiert werden. Die Momente, in denen Fotos entstehen, auf denen sich jeder zu dick oder zu faltig findet, die dokumentiert sind in unzähligen Alben, in denen Kerzen auf Kuchen ausgeblasen, Flaschen entkorkt, Babys gewickelt und Särge versenkt werden. Nein, ich dokumentiere besonders die scheinbar unbesonderen Orte, die, die so oft undokumentiert bleiben. So hab ich im Februar 2010 die Handykamera fünf Minuten aus  dem sechsten Stock der Rue d’Eupatoria 1 auf den Place Maurice Chevalier gehalten.

Und diese fünf Minuten Handyvideo halten tatsächlich ein wenig des Zaubers fest. Gerade weil besonders wenig passiert. Und das wird nie langweilig. Uns jedenfalls.

14. August 2022|
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